Personalisierte Therapien bei Leukämie: Klinische Studie untersucht neue Medikation nach Stammzelltransplantationen
Die akute myeloische Leukämie (AML) ist eine aggressive Form von Blutkrebs, bei der auch nach einer Stammzelltransplantation ein hohes Rückfallrisiko besteht. Die jetzt von Wissenschaftler:innen aus Dresden und Kiel gestartete klinische Studie PIVOT untersucht, ob das Medikament Ivosidenib dabei helfen kann, das Risiko eines Rückfalls zu verringern und die Überlebenschancen zu verbessern. Das Medikament Ivosidenib wurde 2023 in Europa unter anderem zur Behandlung von AML zugelassen. Erkennbar ist, dass Ivosidenib insbesondere bei Betroffenen mit einer IDH1-Mutation zu einer besseren Therapieansprache führt. Bei PIVOT steht nun die langfristige Überlebensprognose im Mittelpunkt.
IDH1-mutierte AML: Rund 400 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland
Die AML ist durch spezifische Gen-Mutationen charakterisiert. Eine der häufigsten Mutationen betrifft die Isocitratdehydrogenase (IDH)-Gene IDH1 und IDH2. IDH1-Mutationen lassen sich bei circa 6 bis 8% der erwachsenen AML-Patient:innen nachweisen. In Deutschland erkranken jährlich etwa 400 Personen mit dieser Mutation an Blutkrebs. Trotz einer allogenen Stammzelltransplantation ist das Rückfallrisiko hoch. Ivosidenib, ein IDH1-Inhibitor, könnte die Wahrscheinlichkeit eines molekularen Rückfalls verringern und das Langzeitüberleben verbessern.
Ivosidenib nach Transplantation: Präzisionsmedizin zur Rückfallvermeidung
„Für die Wissenschaft und die klinische Forschung ist die PIVOT-Studie von großer Bedeutung, da sie neue Erkenntnisse über die Erhaltungstherapie mit Ivosidenib nach einer Stammzelltransplantation liefert und möglicherweise die Behandlung von AML mit IDH1-Mutation revolutionieren könnte“, erläutert Dr. Jan Middeke, Oberarzt an der Medizinischen Klinik I des Universitätsklinikums Dresden und einer der beiden Studienleiter: „Für die Betroffenen eröffnet sich die Möglichkeit, das Rückfallrisiko zu senken und eine längere, krankheitsfreie Lebenszeit zu erreichen“. Co-Studienleiter Prof. Friedrich Stölzel, Sektionsleiter für Stammzelltransplantation und zelluläre Immuntherapie der Klinik für Innere Medizin II des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel, und Professor für Stammzelltransplantation und zelluläre Immuntherapie an der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), ergänzt: „Dieses Projekt ist ein wichtiger Schritt in der Entwicklung präziserer und individueller Therapien, die auf die genetische Beschaffenheit des Tumors zugeschnitten sind. Langfristig könnte die Studie neue Therapieoptionen für weitere Patientengruppen eröffnen und damit die Heilungschancen bei Leukämie weiter verbessern.“
Ivosidenib in der Erhaltungstherapie: 2 Jahre engmaschige Begleitung
An der Studie teilnehmende Patient:innen erhalten über 2 Jahre hinweg eine tägliche Erhaltungstherapie mit Ivosidenib und werden dabei engmaschig medizinisch begleitet. Wichtige Ziele sind die Steigerung der Überlebensrate, das Verschwinden nachweisbarer Leukämiezellen und die Frage nach Nebenwirkungen.
Quelle:Technische Universität Dresden