Monoklonale Gammopathie als Auslöser für wiederkehrende Blutgerinnsel identifiziert
Zusammen mit einer internationalen Forschungsgruppe untersuchte das Team um Prof. Andreas Greinacher Patient:innen, die unter wiederkehrenden Blutgerinnseln leiden. Trotz gerinnungshemmender Medikamente entwickelten sie immer wieder Thrombosen, Schlaganfälle oder Herzinfarkte. Die Forschungsgruppe hat nun herausgefunden, dass unkontrolliert gebildete Antikörper ursächlich dafür sind. Die Studienergebnisse und ihre Bedeutung für die Patientenbehandlung wurden nun im New England Journal of Medicine veröffentlicht (1).
Fehlgeleitete Antikörper greifen Plättchenfaktor 4 an
In der Studie wurden Patient:innen untersucht, bei denen falsch gebildete Abwehrstoffe den Plättchenfaktor 4 (PF4) angreifen. Dadurch kommt es zu Blutgerinnseln, die schwerwiegende Folgen haben. „Diese Störung erinnert sehr an die VITT-Erkrankung, also die Vakzin-induzierte immunthrombotische Thrombozytopenie, die im Zuge der Impfungen mit COVID-19-Impfstoffen bekannt geworden ist“, erklärt Prof. Andreas Greinacher, Koordinator der publizierten Studie. Normalerweise seien Blutgerinnsel akut und vorübergehend, doch bei den untersuchten Patient:innen sind sie immer wieder aufgetreten. „Obwohl diese Patienten gängige Medikamente gegen Blutgerinnsel eingenommen haben, konnten neue Blutgerinnsel nicht verhindert werden“, so Prof. Greinacher weiter. Das Forschungsteam hat nun die Ursache dafür identifiziert: Es handelt sich um einen fehlgeleiteten und unkontrolliert vom Körper gebildeten Abwehrstoff, der wie ein Anti-PF4 Antikörper wirkt. In der Fachsprache nennt sich das Monoklonale Gammopathie.
Neue Diagnose- und Therapieansätze für wiederkehrende Blutgerinnsel
„Diese Ergebnisse sind besonders wertvoll für die künftige Behandlung der Patienten“, betont Prof. Greinacher, „denn nun können Ärzte insbesondere jene Patienten auf den fehlgeleiteten Abwehrstoff untersuchen, bei denen Standardmedikamente bisher nicht ausreichend wirkten“. Dies ist mit einem von den Greifswalder Transfusionsmedizinern vor 2 Jahren neu entwickelten Test möglich. Die Studie zeigt auch, dass spezielle Therapien gegen die unkontrolliert gebildeten Abwehrstoffe die Bildung neuer Gefäßverschlüsse effektiv verhindern.
Die Wissenschaftler aus Kanada, Australien, Neuseeland, USA, Spanien, Frankreich und Deutschland publizierten die Ergebnisse nun im New England Journal of Medicine. „Das ist ein wichtiger Schritt nach vorn“, betont der Wissenschaftliche Vorstand der Unimedizin Greifswald Prof. Karlhans Endlich. Betroffene könnten in Zukunft von individuelleren Behandlungen profitieren, die speziell auf diese seltene Krankheit zugeschnitten sind.
Quelle:Universität Greifswald
Literatur:
(1) Wang JJ et al. N Engl J Med. 2025. DOI: 10.1056/NEJMoa2415930